Fernwärme Stetteldorf am Wagram


Von der Idee, ein Heizwerk zu bauen, bis zur Fertigstellung desselben und ein Rückblick auf 7 Jahre Heizbetrieb!

Autor: Hermann Resch

Die Problematik des Strohverbrennens auf den Feldern und der bevorstehende Bau des Schmutzwasserkanals brachte uns 1991 auf die Idee, ein Fernheizwerk für Bio-Masse zu bauen. Am 5. Juli 1991 fuhren einige Interessierte nach Seibersdorf zur Besichtigung des dortigen Strohheizwerkes. Es dauerte fast zwei Jahre, bis sich im Jänner 1993 eine Proponentengruppe von ca. 20 Personen bildete und eine Umfrage in unserer Gemeinde machte. Dabei bekundeten ca. 160 Hausbesitzer ihr "unverbindliches" Interesse an Fernwärme.

Die Argumente, einen aktiven Beitrag für eine gesunde Umwelt zu leisten und die Wertschöpfung in der Gemeinde zu belassen, wurden von unserer Bevölkerung voll akzeptiert und so gründeten wir am 7. Mai 1993 die FWG-Stetteldorf (6 Personen Vorstand und 4 Personen Aufsichtsrat). Zuerst ließen wir eine Grobstudie für unser Projekt erstellen. Nach Präsentation dieser Studie verpflichteten sich 145 Hausbesitzer schriftlich, an die FW anzuschließen. Daraufhin gaben wir die Planung für ein Heizwerk mit 2,5 MW Leistung mit 60 % Stroh und 40 % Hackgut und insgesamt fast 7 km Rohrleitungen für 150 Abnehmer sofort, sowie einer Ausbaufähigkeit bis ca. 200 Anschlüsse in Auftrag. Bei der Ausschreibung an acht Firmen lag das teuerste Anbot bei 68 Mio. und das billigste bei 43 Mio. ATS.

Unser Projekt war eines der ersten, das sich einer Wirtschaftlichkeitsprüfung unterziehen musste und so wurde die Prüfungskommission - bestehend aus Fachleuten von Agrar-Plus, Landesregierung., Raiffeisen-Landesbank NÖ-Wien, Landwirtschaftskammer, etc. - mit unseren Unterlagen befasste und prompt stellte sich heraus, dass sich ein Heizwerk so nicht rechnet und somit nicht gefördert werden kann.

Gleichzeitig machte unser Gutsbesitzer, auf dessen Grund wir das Heizwerk bauen wollten, bankrott und wir hatten keinen Bauplatz. Diese Rückschläge spornten uns erst so richtig an und wir planten das Heizwerk auf 100 % Stroh mit 2,5 MW und als Ausfallreserve einen Ölkessel mit 2 MW um und legten die Pläne wieder der Prüfungskommission vor.

Die Gemeinde kaufte ein Grundstück an und stellte es der FWG gratis für 99 Jahre zur Verfügung (4 Gemeinderäte, der Bürgermeister sowie der Vizebürgermeister sind im Vorstand und Aufsichtsrat). Für die neue Variante - ohne Hackschnitzel - handelten wir uns einen Preis von ca. 37,5 Mio. aus und ohne das Ergebnis der Prüfungskommission abzuwarten, war am 1.4.1994 Bauverhandlung und am 24.4.1994 Spatenstich sowie Baubeginn.

Um schon im 1. Jahr kostendeckend zu sein, war es für uns das Wichtigste, die Heizsaison am 10. Oktober beginnen zu können. Dazu war es notwendig, die ausführenden Firmen mit Pönalen von ATS 10.000,-- bis ATS 50.000,-- täglich zu belegen. Durch den frühen Baubeginn und der Pönale hatten wir mit der Fertigstellung kein Problem und so konnten wir am 10. Oktober 1994 den Heizbetrieb - wie im Vertrag vorgesehen - pünktlich aufnehmen.

Zu Beginn der Heizperiode 1995/96 waren 160 Anschlüsse hergestellt, und zwar auch alle öffentlichen Gebäude wie Schule, Rathaus, Kindergarten, Kirche, Pfarrsaal etc. Heuer haben wir wieder neue Anschlüsse hergestellt und halten nun bei 220, also schon rund 10 % mehr als geplant (das sind ca. 60 bis 70 % aller Häuser). Der beste Beweis, dass die Leute zufrieden sind und unser Werk gut funktioniert. Mittlerweile haben wir 6 Jahresbilanzen abgeschlossen und alle sind positiv. Wir konnten bereits Rücklagen bilden sowie eine zweite Strohhalle errichten, außerdem eine zweite Strohpresse anschaffen.

Zur Finanzierung
  • ca. 1/3 mit den Anschlusskosten der Mitglieder,
  • ca. 1/3 mit Förderungen des Landes, des Bundes und der Gemeinde,
  • ca. 1/3 durch AIK-Kredit.
Weiters bekommen wir zehn Jahre hindurch einen Annuitätenzuschuss des Landes Niederösterreich.

Zur Bauweise

Massivbeton- und Holzbauweise (harmonisches Landschaftsbild).

Zur Technik
  • Strohkessel-Hollensen Biomaster 2.500 kW
  • Ölkessel-Hollensen Gasmaster 2.000 kW (20.000 l Öltank)
  • Vollautomatische Beschickung mit Kran vom Wochenlager. Dieses wird mit Stapler gefüllt. Stahlrohre mit Plus-Isolierung und Leckwarnsystem, PC mit Fernübertragung - Außendifferenzdruckregelung etc.


Stroh

Das Stroh wird von den Landwirten, die Mitglieder der FWG sind, um 40 Groschen / kg + 12 % MWSt. lose feldfallend angekauft und mit FWG-eigenen Großballenpressen gepresst, verladen und ins Strohlager gebracht. Das Durchschnittsgewicht der Strohballen ist ca. 300 kg. Im letzten Jahr wurden ca. 1.500.000 kg Stroh verheizt, das entspricht ca. 500 bis 600 ha Getreidefläche.

Ascheausbringung

Da Strohasche ca. 20 % Kali enthält, ist sie ein wertvoller Dünger. Wir haben ein eigenes Ausbringungssystem entwickelt, und zwar wird die Asche über ein Schneckensystem in die Aschengrube befördert.
Wenn ca. 15 t Asche in der Grube sind (entspricht 300 t Stroh bei 5 % Asche oder ca. 1.000 Ballen á 300 kg), werden ca. 40 m³ Wasser zugesetzt, mit einem Rührwerk aufgerührt und mit dem Güllefass ausgepumpt und auf die Felder gleichmäßig als Dünger wieder ausgebracht - ohne Staubbelästigung. Somit ist der biologische Kreislauf wieder geschlossen. Für dieses System bekamen wir den NÖ Umweltpreis verliehen!

Tarifgestaltung

Da wir keine Beteiligung mit anderen Energieversorgern eingegangen sind, können wir unsere Tarife selbst gestalten - wie wir wollen. Wir haben eine Mindestabnahme beschlossen, und zwar 2/3 vom errechneten Verbrauch, das sind bei einem 10 kW-Anschluss und 1.200 Volllaststunden 8.000 kW pro Jahr. Die Mindestabnahme kostet ATS 0,75 + MWSt./kWh. Der Mehrverbrauch kostet nur mehr ATS 0,50 + MWSt./kWh (wird jährlich bei GV neu festgesetzt). Die Messgebühr beträgt ATS 110,-- mtl., worin alle Reparaturen an der Übergabestation und die Eichgebühren enthalten sind. Dadurch haben wir positive Bilanzen und zufriedene Mitglieder.

Personal

Keine hauptberuflichen Angestellten, nur zwei geringfügig Beschäftigte für Reinigung, Heizwart etc. sowie freiwillige Helfer (Vorstand, Aufsichtsrat etc.)


Hermann Resch
Obmann der FWG Stetteldorf
Schlossstraße 10
3463 Stetteldorf am Wagram
Tel. 02278/2713